Birmingham: Emil Agyekum gewinnt Silber über 400 Meter Hürden bei Leichtathletik-EM

Leichtathletik-EM: Emil Agyekum gewinnt Silber über 400 Meter Hürden - BILD

Emil Agyekum hat bei der Leichtathletik-EM in Birmingham die Silbermedaille über 400 Meter Hürden gewonnen. Der 27-Jährige musste sich in einem starken Rennen lediglich dem norwegischen Weltrekordhalter Karsten Warholm geschlagen geben, der seinen vierten EM-Titel in Folge in dieser Disziplin errang. Agyekum feierte seine erste große Medaille mit der Deutschland-Fahne um die Schultern.

Im Finale lief Agyekum eine Zeit von 47,87 Sekunden. Warholm, der bereits mit der Mixed-Staffel der Norweger über 4×400 Meter triumphiert hatte, zeigte erneut eine dominante Leistung und rannte von Beginn an dem Feld davon. Sein Weltrekord liegt bei 45,94 Sekunden.

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Agyekums Leistung und der deutsche Rekord

Mit seiner Silbermedaille beendete Emil Agyekum eine lange Durststrecke für Deutschland in dieser Disziplin. Er ist der erste deutsche Athlet seit Harald Schmid, der eine EM-Medaille über 400 Meter Hürden gewinnen konnte. Fast auf den Tag genau 40 Jahre nach Schmids letztem von drei Europameister-Titeln trat Agyekum in dessen Fußstapfen.

Agyekum bestätigte mit dieser Leistung seine starke Form. Bereits Mitte Juli hatte er beim Diamond-League-Meeting in London den 44 Jahre alten deutschen Rekord über 400 Meter Hürden gebrochen. Dort unterbot er in 47,45 Sekunden die von Harald Schmid im September 1982 aufgestellte Bestmarke um drei Hundertstelsekunden. Schmid hatte von 1978 bis 1986 dreimal in Folge triumphiert, als die EM noch im Vierjahresrhythmus ausgetragen wurde.

Nach dem Rennen äußerte sich Agyekum entspannt: „Ich bin heute sehr entspannt ins Rennen reingegangen. Bei so einer EM werden die Karten neu gemischt. Ich hatte den Fokus und wusste, was ich drauf hatte. Ich bin einfach gelaufen und habe nicht viel nachgedacht. Das jetzt ist die Belohnung für die harte Arbeit, die ich schon mein ganzes Leben in den Sport reingesteckt habe.“

Nach dem Zieleinlauf suchte Agyekum sofort seine Freundin Nova Kienast auf, eine Hammerwerferin, die erst wenige Tage zuvor bei der U20-WM in Eugene, USA, Bronze in ihrer Disziplin gewonnen hatte. Sie jubelte ihrem Freund von der Tribüne aus zu.

Enttäuschung bei Owe Fischer-Breiholz

Der zweite deutsche Starter im Finale, U23-Europameister Owe Fischer-Breiholz, belegte den fünften Platz. Er landete in 48,56 Sekunden und verpasste Bronze um zwei Zehntel. Nach dem Rennen zeigte sich Fischer-Breiholz äußerst frustriert und ging hart mit sich ins Gericht.

Im ARD-Interview sagte der 22-Jährige: „Ich habe noch nie so eine Enttäuschung verspürt. Ich bin hier heute aufgewacht und wusste, es ist ein richtig guter Tag. Ich war bereit, alles zu geben, aber ich habe es überhaupt nicht geschafft. Ich bin heute das ganze Rennen mit der anderen Seite gelaufen. So ein dummer Fehler.“ Er fügte hinzu, dass ihm auf der letzten Geraden die Kraft ausgegangen sei.

Fischer-Breiholz betonte, sein Potenzial zu kennen, es aber in dieser Saison nicht gezeigt zu haben. „Ich verstehe nicht, wie ich so wenig mitspielen konnte. Ich kenne mein Potenzial, ich weiß, was ich kann. Aber das habe ich diese Saison kein einziges Mal gezeigt. Das nervt mich so sehr.“ Sein Ärger war auch deshalb groß, weil er eine Medaille für möglich gehalten hatte. „Wenn man sieht, mit was für Zeiten man hier Medaillen geholt hat und dann weiß, das man das so einfach kann. Irgendwie schaffe ich es trotzdem nicht, dann einfach mir diese Medaille zu holen.“

Sogar der Reporter Claus Lufen versuchte, Fischer-Breiholz zu bremsen und riet ihm, nicht zu hart zu sich selbst zu sein. Trotz der Enttäuschung gilt der talentierte Hürdenläufer und amtierende U23-Europameister als Athlet, dem die Zukunft gehören dürfte. Agyekum und Fischer-Breiholz sind Trainingskollegen, die sich gegenseitig antreiben, auch wenn es diesmal nur für einen von beiden zu einer Medaille reichte.

BIRMINGHAM-GREAT-BRITAIN-AUGUST-14-2026-Second-place-for-Emil-AGYEKUM-GER-Germany-over-400m-hurdles-and-frustrated-Owe-FISCHER-BREIHOLZ-GER-Germany-during-the-European-Athletics-Championships-at-Alexander-Stadium-on-August-14-2026-in-Birmingham-Great-Britain
Emil Agyekum nahm Owe Fischer-Breiholz nach dem Rennen in den Arm.(Foto:IMAGO/Beautiful Sports International) Credit: n-tv.de

Volker Beck, Olympiasieger von 1980 und einstiger Konkurrent von Harald Schmid, hatte Agyekum als seinen früheren Schützling beschrieben: „Emil ist kein Trainingsweltmeister. Er ist ein Wettkampftyp und ein Gefühlsmensch.“ Agyekum wechselte später in die Trainingsgruppe von Fischer-Breiholz.

Source: bild.de

Niklas Wolf ist Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball, Bundesliga und internationale Wettbewerbe.