Birmingham: Meyer kritisiert Krauses Taktik nach EM-Finale

3000 m Hindernis: Teamkollegin Meyer erklärt ihre Kritik an Gesa Krause am Morgen danach

Nach dem Finale über 3000 Meter Hindernis bei der Leichtathletik-EM in Birmingham kam es zu einer Diskussion zwischen den deutschen Athletinnen Lea Meyer und Gesa Felicitas Krause. Meyer äußerte Kritik an Krauses Renntaktik, während Krause gelassen auf die Vorwürfe reagierte und ihre Herangehensweise verteidigte.

Meyer, die im Rennen stürzte und eine Medaille verpasste, sprach unmittelbar nach dem Wettkampf im ZDF über ihre Enttäuschung. Sie erklärte, dass Krause während des Laufs fast durchgehend im Windschatten geblieben sei. Meyer formulierte es so: „Gesa will einfach keinen Meter was machen. Die sitzt es aus und rennt da hinten raus.“ Dieser Ansatz ermöglichte es Krause, im Schlusssprint an Meyer vorbeizuziehen und ihren dritten EM-Titel zu gewinnen.

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Meyers Erklärung und Reue nach dem Interview

Am Morgen nach dem Rennen äußerte sich Lea Meyer auf Instagram zu ihren zuvor getätigten Aussagen. Sie wies den Vorwurf der Missgunst bezüglich Krauses Goldmedaille zurück und betonte, dass ihr Interview von Emotionen geleitet gewesen sei. Meyer schrieb, dass Gesa Krause verdient Europameisterin geworden sei und die beste Taktik gewählt sowie ihre Stärken ausgespielt habe. Sie fügte hinzu, dass Cleverness und Taktik sehr entscheidende Faktoren in einem Meisterschaftsrennen seien und sie jedem den Erfolg gönne, der diese Faktoren perfektioniert habe.

Meyer räumte ein, dass der Zeitpunkt und die Wortwahl ihres Interviews „nicht passend, unprofessionell und unsportlich“ gewesen seien. Sie erklärte, dass sie im entscheidenden Moment nicht gut genug gewesen sei, Fehler gemacht habe und ihre Taktik nicht aufgegangen sei. Diese Fehler seien ihr alleiniger Fehler gewesen. Für die Zukunft kündigte Meyer an, als sehr emotionaler Mensch die Interview-Zone nach solchen Rennen meiden zu wollen, um ähnliche Situationen zu vermeiden.

Lea Meyer stürzte beim Wassergraben kurz vor dem Ziel.© IMAGO/Inpho Photography/IMAGO
Lea Meyer stürzte beim Wassergraben kurz vor dem Ziel.© IMAGO/Inpho Photography/IMAGO Credit: web.de

Trotz ihres Sturzes am letzten Wassergraben, der sie auf den vierten Platz zurückwarf, zeigte sich Meyer kämpferisch. Sie betonte, dass sie sich für die beste Hindernisläuferin Europas halte und große Ziele bis zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles habe. Meyer strebt an, spätestens in Los Angeles als deutsche Rekordhalterin dazustehen. Der aktuelle deutsche Rekord von 9:03:30 Minuten wurde 2019 von Gesa Krause aufgestellt, während Meyers persönliche Bestleistung bei 9:09,13 liegt.

Krauses Reaktion auf die Kritik

Gesa Krause reagierte gelassen auf die Taktik-Kritik ihrer Teamkollegin. Nach ihrem insgesamt dritten EM-Titel erklärte sie, dass es die eigene Entscheidung sei, wer die Führungsarbeit leiste. Krause betonte, dass sie persönlich nicht der Typ sei, der das Tempo an der Spitze macht. Sie sei jemand, der gerne auf dem letzten Kilometer oder in der letzten Runde Gas gebe, besonders bei Meisterschaften. Diese bewusste Entscheidung habe sich in Birmingham ausgezahlt, wo sie nach 2016 und 2018 erneut Gold gewann.

Krause zeigte auch Verständnis für die emotionalen Äußerungen von Lea Meyer. Sie sagte, dass Emotionen zum Sport dazugehören und man in solchen Situationen, in denen Adrenalin, Wut und viele Emotionen hochkommen, manchmal Dinge sage, die man später anders sehen möge. Krause betonte, dass sie und Meyer sich „gut in die Augen schauen und wieder an den Start gehen“ könnten.

Krause feierte mit Tochter Lola und ihrem Mann.© IMAGO/Eibner/IMAGO/Eibner Pressefoto/Jan Papenfuss
Krause feierte mit Tochter Lola und ihrem Mann.© IMAGO/Eibner/IMAGO/Eibner Pressefoto/Jan Papenfuss Credit: web.de

Krause, die mit 34 Jahren ihren dritten EM-Titel im 3000 Meter Hindernis gewann, lieferte nach acht Jahren wieder ein Meisterstück ab. Sie äußerte sich sehr stolz über diesen Erfolg und die Momente, die ihrer Meinung nach nicht mehr so häufig kommen werden. Im Rennen selbst hatte Meyer lange Zeit das Tempo vorgegeben, bevor Krause ihren Schlusssprint ansetzte und den Sieg errang. Neben Krause und Meyer gewann Olivia Gürth mit Bronze eine weitere Medaille für Deutschland in diesem Wettbewerb.

Meyer hatte zuvor im ZDF gesagt, sie sei „sauer, sehr, sehr auf mich selber. Das habe ich mir selber eingebrockt.“ Sie hatte bereits bei der WM 2022 einen Sturz am Wassergraben erlebt.

Source: web.de

Niklas Wolf ist Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball, Bundesliga und internationale Wettbewerbe.