Birmingham: DLV-Athletinnen in den Vorrunden der EM

Spannende Halbfinals für deutsche Läuferinnen
Bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham zeigten die deutschen Athletinnen in den Vorrunden am Donnerstag starke Leistungen. Im Alexander Stadium treten insgesamt 114 deutsche Sportlerinnen und Sportler gegen die europäische Konkurrenz an, um Medaillen und Bestleistungen zu erzielen. Die Wettkämpfe finden vom 10. bis 16. August statt.
Im Halbfinale über 400 Meter der Frauen bestätigte Johanna Martin (1. LAV Rostock) ihr hohes Niveau. Die 20-Jährige, die in dieser Saison konstant Zeiten unter 51,50 Sekunden lief und ihren persönlichen Rekord auf 50,57 Sekunden verbesserte, traf auf ein starkes Feld. Dazu gehörten Titelverteidigerin Natalia Bukowiecka aus Polen und Hallen-Weltmeisterin Lurdes Gloria Manuel aus Tschechien, gegen die Martin bereits in Jugendklassen angetreten war.
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Nach einer soliden ersten Rennhälfte konnte Martin noch einmal beschleunigen und kam als Dritte aus der Zielkurve. Auf den letzten Metern wurde sie jedoch von der britischen U20-Europameisterin Charlotte Henrich (50,51 Sekunden) und der Niederländerin Myrte van der Schoot (50,75 Sekunden) überholt. Die Favoritinnen Bukowiecka (49,67 Sekunden) und Manuel (49,81 Sekunden) blieben unter 50 Sekunden. Martin beendete das Rennen auf Rang fünf mit 51,34 Sekunden, ihrer viertbesten Zeit in ihrer Karriere.
Johanna Martin äußerte sich nach dem Rennen zufrieden: „Es war sehr aufregend. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich mal im Einzel starten kann. Ich bin zufrieden. Ich hatte damit gerechnet, dass das Rennen sehr schnell wird. So etwas beeindruckt mich gar nicht. Da kann ich mich noch mehr pushen. Und ich finde es sehr angenehm, wenn man mit Leuten läuft, die man kennt. Dann fühlt man sich nicht so allein.“ Sie fügte hinzu, dass sie gern noch einmal unter 51 Sekunden gelaufen wäre, aber aufgrund einer leichten Beeinträchtigung in der Vorwoche nicht viel mehr erwartet hatte. Die Konzentration auf Training und Familienzeit nach dem Abitur empfindet sie als angenehm.
Die weiteren Halbfinals über 400 Meter wurden ebenfalls mit Zeiten unter der 50-Sekunden-Marke gewonnen. Hallen-Europameisterin Lieke Klaver aus den Niederlanden gewann den ersten Lauf in 49,71 Sekunden. Im dritten Lauf unterboten Henriette Jaeger aus Norwegen (49,80 Sekunden) und Heimfavoritin Amber Anning (49,96 Sekunden) die Schallmauer. Aus diesem Lauf qualifizierten sich auch Paula Sevilla (Spanien; 50,21 Sekunden) und Helena Ponette (Belgien; 50,31 Sekunden) als Zeitschnellste.
Knappe Entscheidungen und ein Appell
Im Halbfinale über 800 Meter verpasste Smilla Kolbe (Eintracht Frankfurt) das Finale nur denkbar knapp. Mit einer persönlichen Bestleistung von 1:57,80 Minuten im Vorlauf ging die 24-Jährige selbstbewusst ins Rennen. Sie hielt sich mutig an den Fersen von Favoritinnen wie Olympiasiegerin Keely Hodgkinson (Großbritannien) und Femke Broeders-Bol (Niederlande). Erst auf der Zielgeraden musste sie ihre Trainingskollegin Valentina Rosamilia (Schweiz) passieren lassen und auf das Foto-Finish mit der Französin Clara Liberman warten.
Liberman sicherte sich mit einer Bestleistung von 1:58,19 Minuten das letzte Finalticket. Kolbe landete auf dem undankbaren neunten Platz und verpasste das Finale um lediglich zwei Hundertstelsekunden. An der Spitze sicherten sich Hodgkinson (1:57,38 Minuten) und Broeders-Bol (1:57,46 Minuten) die direkten Qualifikationsplätze. Im ersten Halbfinale zogen auch die Britin Jemma Reekie (1:58,61 Minuten) und Anaïs Bourgoin (1:58,84 Minuten) aus Frankreich ins Finale ein.
Eine bemerkenswerte Wendung gab es im ersten Halbfinale, als Mitfavoritin Audrey Werro aus der Schweiz, die in diesem Jahr bereits mit 1:53,98 Minuten überzeugt hatte, kurz vor der Zielgeraden zu Fall kam. Zusammen mit der ebenfalls gestürzten Litauerin Gabija Galvydyte erhielt sie ein „qR“, was beiden Athletinnen die Teilnahme am Finale ermöglicht. Dies führt dazu, dass zehn statt der üblichen acht Athletinnen im Finale stehen und Smilla Kolbe die EM als Elfte beendet.
Smilla Kolbe zeigte sich trotz der knappen Entscheidung stolz: „Es ist crazy zu sehen, dass es jetzt so knapp nicht gereicht hat. Das war meine erste EM und ich wusste vorher gar nicht, was ich zu erwarten habe. Dass ich jetzt zu den schnellsten Frauen Europas gehöre, darauf kann ich absolut stolz sein. Ich habe hier die besten zwei Rennen meiner Karriere gemacht.“ Sie betonte, dass sie viel Motivation für die Zukunft mitnehmen könne und es inspirierend sei zu sehen, was die schnellsten Frauen aus einem herausholen können.
Neben ihrer sportlichen Leistung nutzte Smilla Kolbe die Gelegenheit, sich klar gegen Rassismus zu positionieren. Sie äußerte sich im Interview zu Hass-Kommentaren, die sie bei manchen Athleten wahrnimmt: „Ich lese so viele Kommentare und freue mich über den Support, den wir kriegen. Aber trotzdem sehe ich bei manchen Athleten krasse Kommentare. Wir vertreten hier Deutschland und ich erwarte da mehr Respekt.“ Sie fügte hinzu: „Ich finde es schön, dass mich viele supporten, aber ich will mir nicht vorstellen wie das wäre, wenn ich nicht so weiß wäre, wie ich bin. Das war mir wichtig, das zu sagen. Ich erwarte von allen Zuschauern den nötigen Respekt.“
Honsel souverän im Hochsprung-Finale
Im Hochsprung der Frauen qualifizierte sich Christina Honsel (TSV Wattenscheid 01) souverän für das Finale. Nach einer schwierigen Saison aufgrund von Fußproblemen und einer verpassten Deutschen Meisterschaft zeigte ihre Formkurve zuletzt nach oben. In Birmingham bestätigte sie dies, indem sie als eine von 15 Athletinnen die geforderte Höhe von 1,91 Meter übersprang. Die 29-Jährige meisterte jede Höhe im ersten Versuch und sammelte damit viel Selbstvertrauen für das Finale.
Im Finale wird Honsel unter anderem auf Favoritinnen wie Weltrekordlerin Yaroslava Mahuchikh (Ukraine), Maria Żodzik aus Polen und die junge Serbin Angelina Topic treffen. Honsel zeigte sich zuversichtlich: „Ich bin in den Wettkampf sehr zuversichtlich reingegangen und wusste, dass ich in einer Qualifikation bei internationalen Meisterschaften abliefern kann – egal, was vorher war. Das kann ich dann ganz gut ausblenden. Ich hatte eine innere Ruhe, die mir geholfen hat, da durch zu kommen.“ Sie möchte diese Ruhe und Leichtigkeit im Finale beibehalten.
Für die Nachwuchsspringerinnen Anna-Elisabeth Ehlers (TSV Bayer 04 Leverkusen) und Dorothea Gantert (SpVg Laatzen) war die Qualifikation eine wertvolle internationale Erfahrung. Ehlers, die auch im Siebenkampf aktiv ist, übersprang zunächst alle Höhen im ersten Versuch, scheiterte jedoch an 1,88 Meter. Mit übersprungenen 1,84 Meter belegte sie im Gesamtklassement Rang 22. Gantert erreichte ebenfalls 1,84 Meter, landete aber aufgrund eines Fehlversuchs bei dieser Höhe auf Platz 25 bei ihren ersten Europameisterschaften der Aktiven.
Anna-Elisabeth Ehlers äußerte sich positiv über ihre Erfahrung: „Es hat total viel Spaß gemacht und ist etwas ganz anderes als in einem Siebenkampf. Die Stimmung hier ist toll und ich kann mich nicht beschweren. Ich war heute Morgen unglaublich aufgeregt und positiv nervös. Ich bin mit ganz viel Vorfreude herangegangen.“ Dorothea Gantert empfand es als sehr aufregend und anders als eine Jugendmeisterschaft, zeigte sich glücklich dabei gewesen zu sein, bedauerte aber, dass die 1,88 Meter „sicherlich drin gewesen wären“.


Der Grieche Miltiadis Tentoglou, zweimaliger Weitsprung-Olympiasieger, sorgte bei den Europameisterschaften für einen kuriosen Moment, als er nach seinem vierten EM-Titel in Folge seine Goldmedaille vergaß. Der 28-Jährige bemerkte den Fauxpas während eines Interviews und musste seine Medaille suchen, fand sie aber schnell wieder.
Source: leichtathletik.de