Birmingham: Owen Ansah bricht ZDF-Interview nach Dopingtest-Frage ab

Leichtathletik-EM: Als die Worte „verweigerter Dopingtest“ fallen: Ansah bricht ZDF-Interview ab - BILD

Interview-Abbruch nach Dopingtest-Frage

Bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Birmingham kam es zu einem bemerkenswerten Vorfall, als der deutsche Sprinter Owen Ansah ein Interview mit dem ZDF abrupt beendete. Die Situation entstand, nachdem die Moderatorin ihn auf einen angeblich verweigerten Dopingtest ansprach. Ansah, der zuvor sportliche Fragen beantwortet hatte, schüttelte mehrfach den Kopf und erklärte: „Darüber können wir morgen sprechen.“ Anschließend verließ er die Interview-Zone, ohne auf weitere Nachfragen der Moderatorin zu antworten, ob das Thema ihn nicht beschäftige.

Dieser Interview-Abbruch ist bemerkenswert, da Ansah sich in der Vergangenheit stets zu den Vorwürfen einer drohenden Doping-Sperre geäußert hatte. Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) hat eine vierjährige Sperre gegen den 25-jährigen Athleten vorgeschlagen, basierend auf dem Vorwurf, er habe eine Dopingprobe verweigert. Ansah lehnt diesen Vorschlag jedoch ab.

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Sportliche Leistung und Doping-Vorwürfe

Trotz der laufenden Doping-Diskussionen zeigte Owen Ansah bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Birmingham eine starke sportliche Leistung. Zwei Tage nach dem Gewinn der Bronzemedaille über 100 Meter zog er souverän in das Finale über 200 Meter ein. Er gewann sein Halbfinale in 20,04 Sekunden und verpasste den deutschen Rekord von Joshua Hartmann aus dem Jahr 2023 lediglich um zwei Hundertstel.

Im selben Halbfinale schied Joshua Hartmann in 20,36 Sekunden aus, wobei ihm nur eine Hundertstel zum Finaleinzug fehlte. Auch der dritte deutsche Teilnehmer, Kameron Horton, erreichte mit 20,58 Sekunden nicht den Endlauf. Ansah hatte bereits am Dienstagabend in 10,19 Sekunden die erste deutsche 100-Meter-Medaille seit 40 Jahren gewonnen. Er äußerte sich zuversichtlich, dass er seine Medaille nicht abgeben müsse, und betonte, er vertraue seinem Team. Er könne nur beeinflussen, wie schnell er auf der Bahn sei.

Die Doping-Vorwürfe und die mögliche vierjährige Sperre hängen jedoch weiterhin über dem Sprinter. Nach Informationen soll Ansah ein Formular der NADA unterschrieben haben, das ihn über die Konsequenzen einer verweigerten Dopingkontrolle informierte. Der ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt wies darauf hin, dass dies im Widerspruch zu Ansahs Behauptungen stehe, ihm seien keine Konsequenzen aufgezeigt worden.

Hintergrund der Doping-Anschuldigungen

Die NADA hat eine vierjährige Sperre gegen Owen Ansah vorgeschlagen, da ihm vorgeworfen wird, Anfang Juli eine Dopingprobe verweigert oder unterlassen zu haben. Ein Sanktionsbescheid liegt vor. Ansahs Anwalt, Rainer Tarek Cherkeh, hat jedoch mitgeteilt, dass sein Mandant den Vorschlag nicht akzeptieren werde. Eine Akzeptanz hätte die Sperre automatisch auf drei Jahre reduziert. Ansahs Anwalt betonte, dass der Athlet zu keinem Zeitpunkt die Durchführung einer Dopingkontrolle verweigert oder die Abgabe einer Probe abgelehnt habe.

Ansah selbst erklärte, er sei als Nachrücker für ein Diamond-League-Rennen in Monaco vorgesehen gewesen und habe gerade zum Flughafen aufbrechen wollen, als ein Doping-Kontrolleur außerhalb seines Proben-Zeitfensters eine Probe verlangt habe. Er sei unter Zeitdruck gewesen und habe kurz zuvor die Toilette besucht, weshalb er kurzfristig keine Probe abgeben konnte. Dies habe er mit dem Kontrolleur besprochen, und es seien ihm keinerlei Konsequenzen aufgezeigt worden.

Experte Hajo Seppelt sieht den „zwingenden Grund“ als Knackpunkt in möglichen juristischen Auseinandersetzungen. Er vermutet, dass Ansahs Anwalt versuchen könnte, die Eile zum Flughafen als solchen Grund geltend zu machen. Seppelt zufolge soll Ansah jedoch ein Dokument unterschrieben haben, das die Konsequenzen klar darlegt. Die 20-tägige Frist zur Akzeptanz der NADA-Strafe läuft. Sollte Ansah Widerspruch einlegen, würde der Fall vor dem Deutschen Sportschiedsgericht und möglicherweise vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne verhandelt werden.

Sollte die NADA Recht bekommen, würden alle Wettkampfergebnisse von Owen Ansah ab dem 9. Juli aberkannt. Der Deutsche Leichtathletik Verband (DLV) hat Ansah vorsorglich nicht für die Staffeln berücksichtigt. Ansah tritt bei den kontinentalen Titelkämpfen auch über 200 Meter an, die am Donnerstag begannen.

Ansah hatte am Dienstagabend (11.08.2026) in Birmingham in 10,19 Sekunden die Bronzemedaille über 100 Meter gewonnen.

Source: bild.de

Niklas Wolf ist Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball, Bundesliga und internationale Wettbewerbe.