Internationale Kritik an Infantinos Plänen zum WM-Verkauf

Pressestimmen zum Infantino-Skandal: „Größte existenzielle Bedrohung für den Fußball“ - BILD

Kontroverse um kommerzielle Rechte

FIFA-Präsident Gianni Infantino sieht sich nach Berichten über Pläne zum Verkauf von Anteilen an den kommerziellen Rechten der Fußball-Weltmeisterschaft einer Welle der Empörung gegenüber. Die Vorschläge sehen vor, dass private Investoren Anteile an einem neu zu gründenden Unternehmen erwerben könnten, das die kommerziellen Aktivitäten der Männer-, Frauen- und Klub-Weltmeisterschaften bündeln würde. Laut einem Bericht der „Times“ sollen bereits Verbindungen zum Umfeld des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump bestehen, wobei Infantino als enger Vertrauter Trumps gilt.

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) hat scharfe Kritik an den Plänen geäußert. Ein Statement des Dachverbandes bezeichnete das Vorhaben als Überschreitung einer „roten Linie“, die niemals überschritten werden dürfe. Die UEFA betonte, dass die Seele und Führung des Fußballs keine Handelsware seien und der Fußball der FIFA nicht zum Verkauf stehe. Insider der UEFA sprachen sogar von einer „Atombombe“ im Fußball.

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Auch der britische Premierminister Burnham und der ehemalige FIFA-Präsident Blatter kritisierten Infantino. Burnham erklärte in einem Video, dass der Fußball den Menschen gehöre, die die Tribünen füllten und an den Seitenlinien stünden, und die WM kein Produkt sei, das man verkaufen könne. Blatter äußerte sich auf X kritisch über Infantino und dessen Beziehung zu Donald Trump.

Internationale Reaktionen und mögliche Auswirkungen

Die internationale Presse reagierte ebenfalls mit deutlicher Kritik. Der „Independent“ aus England bezeichnete den Plan als die „größte existenzielle Bedrohung für den Fußball aller Zeiten“. Die „Sun“ sprach von einem „schamlosen Verkauf der Weltmeisterschaft“, während der „Guardian“ fragte, wessen Spiel der Fußball überhaupt sei. Die „Times“ sah Gianni Infantinos Geldgier als Motiv für die Privatisierung der WM.

In Frankreich berichtete „L’Équipe“, dass Infantino nur neun Tage nach dem Ende der WM 2026 keine Pause einzulegen scheine und Anteile an der Weltmeisterschaft über ein neues Unternehmen verkaufen wolle, um die Einnahmen der FIFA zu steigern. „Le Figaro“ nannte es Gianni Infantinos „neueste Laune“. Die österreichische „Krone“ warnte vor einem möglichen Mega-Boykott und fragte, ob die Seele des Fußballs verkauft werde. In Norwegen sah „NRK“ darin das Ende der FIFA, wie man sie kenne, und sprach von Größenwahn.

Deutsche Medien äußerten sich ebenfalls kritisch. „ntv“ fragte, wie viel Kommerz noch nötig sei, und sah den „völligen Ausverkauf des Fußballs an Investoren“ im Visier. „t-online“ berichtete von einer neuen Debatte, die Infantino vom Zaun breche, und zitierte UEFA-Insider, die von einer „Atombombe“ sprachen. „Sportschau“ betonte, dass FIFA-Chef Gianni Infantino noch mehr Geld aus der Fußball-WM herausholen und Anteile an private Investoren abtreten wolle.

Infantinos Strategie und frühere Versuche

Die FIFA plant, dass private Geldgeber rund 20 Prozent der Anteile an dem neuen Tochterunternehmen FFE erwerben können, dessen Wert zunächst auf 20 Milliarden US-Dollar festgelegt ist. Die FIFA würde Mehrheitsgesellschafter bleiben und die Kontrolle über den Spielkalender und das Regelwerk behalten. Alle 211 FIFA-Mitgliedsverbände sollen ebenfalls kleinere Anteile erhalten, die sie behalten oder verkaufen könnten.

Infantino argumentiert, dass es bei den Plänen um die „Demokratisierung des Fußballs weltweit“ gehe und massive Investitionen auch in die kleinsten und entlegensten Teile der Fußballwelt getätigt werden sollen. Er verspricht jedem Mitgliedsverband eine zusätzliche Zahlung von 20 Millionen US-Dollar, sollte dem Deal zugestimmt werden. Der Betrag könnte bis 2035 auf bis zu 24 Millionen US-Dollar pro Vierjahres-Zyklus ansteigen, zuzüglich einer optionalen Einmalzahlung von 20 Millionen US-Dollar.

Für Infantino ist Geld ein entscheidender Faktor zur Machterhaltung. Er könnte nächstes Jahr ohne Gegenkandidaten bis 2031 im Amt bestätigt werden, da jeder Verband bei den Präsidentschaftswahlen eine Stimme hat, unabhängig von seiner Größe. Die Kritik der UEFA prallt an Infantino ab, auch nach dem „Fall Balogun“, bei dem die Sperre des US-Stürmers bei der WM infolge eines Trump-Anrufs bei Infantino ausgesetzt worden war, was die UEFA als Überschreitung einer „roten Linie“ bezeichnete.

Die künftige Investorengruppe soll laut FIFA von Thrive Capital angeführt werden, einer Investmentgesellschaft von Joshua Kushner, dem Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von Donald Trump. Ein FIFA-Sprecher bestätigte, dass Thrive voraussichtlich die Führung der geplanten Investorengruppe übernehmen wird. Die FIFA arbeitet bei ihren Plänen mit der Investmentbank JPMorgan zusammen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Infantino solche Pläne verfolgt. Bereits 2018 scheiterte er mit einem Investoren-Deal für eine erweiterte Klub-WM und eine weltweite Nations League, der keine ausreichende Unterstützung erhielt. Die Gremien, bestehend aus allen Mitgliedsverbänden und dem FIFA-Rat, müssen dem aktuellen Vorschlag noch zustimmen. Der nächste Kongress findet im März 2027 in Marokko statt.

Fussball-Maenner-WM-Eroeffnungsspiel-Mexiko-Suedafrika-Vorrunde-Gruppe-A-Spieltag-1-Mexiko-Stadt-Stadion-Fifa-Praesident-Gianni-Infantino-praesentiert-den-WM-Pokal
Fussball-Maenner-WM-Eroeffnungsspiel-Mexiko-Suedafrika-Vorrunde-Gruppe-A-Spieltag-1-Mexiko-Stadt-Stadion-Fifa-Praesident-Gianni-Infantino-praesentiert-den-WM-Pokal Credit: n-tv.de

Sollte das Modell umgesetzt werden, könnte Infantino nach dem Ende seiner bis 2031 erwarteten letzten Amtszeit als FIFA-Präsident das neue Unternehmen als Commissioner oder Geschäftsführer leiten, obwohl ein FIFA-Sprecher betonte, dass noch nie darüber gesprochen wurde, ob Infantino nach Ablauf seiner letzten Amtszeit ein solches Amt übernehme.

Die „Marca“ aus Spanien berichtete, dass Infantino plane, die Weltmeisterschaft an einen Fonds zu verkaufen, dessen CEO er sein möchte, und die UEFA heftig gegen ihn wettere. Kritiker befürchten, dies könnte eine Bombe für den Fußball platzen lassen. „Sport“ ergänzte, dass trotz Rekordeinnahmen die FIFA-Führung der Ansicht sei, dass der Zufluss von privatem Kapital das Wachstum der Organisation beschleunigen und die Finanzierung neuer Projekte ermöglichen würde.

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Source: bild.de

Niklas Wolf ist Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball, Bundesliga und internationale Wettbewerbe.