FIFA-Pläne zum Rechteverkauf lösen heftige Kritik aus

FIFA zündet "Atombombe"

FIFA plant Milliarden-Deal für kommerzielle Rechte

Die FIFA plant, Anteile an einem neuen Rechte-Unternehmen zu verkaufen, um Milliarden zu erlösen. Dieses Vorhaben hat neue Diskussionen ausgelöst. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) reagierte mit scharfer Kritik auf die Pläne, die von der FIFA bestätigt wurden. Ein Sprecher der UEFA erklärte, dass eine Grenze überschritten werde, die verantwortliche Institutionen im Fußball niemals überschreiten dürften, und betonte die Ernsthaftigkeit der Situation.

Laut UEFA-Insidern wird das Vorhaben sogar als eine Art „Atombombe“ im Fußball bezeichnet. Die UEFA betonte in ihrem Statement, dass die Seele und Führung des Fußballs keine Handelsware seien, insbesondere bei mangelnder Transparenz darüber, wer finanziell davon profitiere. Es wurde klargestellt, dass niemand Eigentümer des Fußballs sei und dieser nicht zum Verkauf stehe.

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Medienberichten zufolge will die UEFA in Kürze eine Dringlichkeitssitzung abhalten, um über ihre Reaktion auf die Pläne zu beraten. Dabei soll auch ein möglicher Boykott der Weltmeisterschaft diskutiert werden. Die FIFA beabsichtigt, private Geldgeber rund 20 Prozent der Anteile an dem neu zu gründenden Tochterunternehmen FFE erwerben zu lassen, dessen Wert zunächst auf insgesamt 20 Milliarden Dollar festgelegt ist. Im FFE sollen die kommerziellen Rechte an FIFA-Wettbewerben wie der Männer- und Frauen-WM sowie der Klub-WM gebündelt werden.

Fifa-Präsident Infantino will einen Teil der kommerziellen Rechte an den Turnieren des Weltverbandes an Investoren verkaufen und damit mehr als vier Milliarden Dollar erlösen. Die Uefa reagierte mit scharfer Kritik an den Plänen.Quelle:WELT TV
Fifa-Präsident Infantino will einen Teil der kommerziellen Rechte an den Turnieren des Weltverbandes an Investoren verkaufen und damit mehr als vier Milliarden Dollar erlösen. Die Uefa reagierte mit scharfer Kritik an den Plänen.Quelle:WELT TV Credit: welt.de

Reaktionen und Hintergründe der Pläne

Der britische Premierminister Andy Burnham äußerte sich ebenfalls kritisch zu den Plänen. Er betonte in einem Video, dass der Fußball nicht den Investoren gehöre, sondern den Menschen, die die Tribünen füllen und Woche für Woche am Spielfeldrand stehen. Burnham bezeichnete die WM als den großartigsten Wettbewerb der Welt, der niemals jemandem gehört habe, um verkauft zu werden, und dass der Fußball immer den Anhängern gehört habe und dies auch immer tun werde.

Auch Sepp Blatter, der frühere FIFA-Präsident, kritisierte auf X seinen Nachfolger Gianni Infantino und dessen Beziehung zum ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump. Die FIFA würde Mehrheitsgesellschafter des Unternehmens bleiben und nach eigenen Angaben die Kontrolle über den Spielkalender und alle Fragen des Regelwerks behalten. Alle 211 FIFA-Mitgliedsverbände sollen ebenfalls kleinere Anteile an dem Unternehmen erhalten, die behalten oder verkauft werden könnten.

Innerhalb der kommenden vier Jahre will die FIFA mit Hilfe der zusätzlichen Einnahmen zehn Milliarden Dollar in die weltweite Entwicklung des Fußballs investieren. Infantino erklärte, dass es darum gehe, massiv in die kleinsten oder entlegensten Teile der Fußballwelt zu investieren, die oft übersehen werden. Er sprach von der „Demokratisierung des Fußballs weltweit“ und davon, dass jeder FIFA-Mitgliedsverband einen fairen Anteil erhalten solle, um seine eigene Zukunft zu gestalten.

Fifa-Präsident Infantino will einen Teil der kommerziellen Rechte der Weltmeisterschaften an Investoren verkaufen. „Jeder der Verbände kriegt 20 Millionen, also man schmiert die Leute“, so WELT-Wirtschaftsredakteur Holger Zschäpitz.Quelle:WELT TVAutoplay
Fifa-Präsident Infantino will einen Teil der kommerziellen Rechte der Weltmeisterschaften an Investoren verkaufen. „Jeder der Verbände kriegt 20 Millionen, also man schmiert die Leute“, so WELT-Wirtschaftsredakteur Holger Zschäpitz.Quelle:WELT TVAutoplay Credit: welt.de

Mögliche Auswirkungen und nächste Schritte

Ein Vorschlag, der derzeit geprüft wird, soll den 211 Mitgliedsverbänden und dem FIFA-Rat vorgelegt werden, die die Entscheidungsträger in dieser Angelegenheit sind. Laut einem Bericht der „Times“ könnten solche Deals den Druck erhöhen, das Teilnehmerfeld einer WM weiter auszubauen oder die WM häufiger als bisher auszutragen. Personen aus dem Umfeld der US-Regierung von Donald Trump sollen in die Pläne einbezogen worden sein, die bereits seit mehreren Monaten vorbereitet werden und noch genehmigt werden müssen.

Der Technologieinvestor Joshua Kushner, dessen Bruder Jared Kushner mit Trumps Tochter Ivanka verheiratet ist, soll Gespräche darüber führen, den Einstieg über seinen Fonds Thrive Eternal anzuführen. Ein FIFA-Sprecher bestätigte, dass Thrive voraussichtlich die Führung der geplanten Investorengruppe übernehmen wird. Die FIFA arbeitet bei ihren Plänen mit der Investmentbank JPMorgan zusammen.

Ein solcher Deal könnte auch Auswirkungen auf Infantinos Aufgaben bei der FIFA haben. Sollte das Modell umgesetzt werden, könnte der 56-Jährige nach dem Ende seiner bis 2031 erwarteten letzten Amtszeit als FIFA-Präsident das neue Unternehmen als Commissioner oder Geschäftsführer leiten. Ein FIFA-Sprecher sagte jedoch, dass noch nie darüber gesprochen worden sei, ob Infantino nach Ablauf seiner letzten Amtszeit ein solches Amt übernehme. Der FIFA-Präsident und die FIFA-Verwaltung müssten jedoch – sofern es genehmigt wird – führende Rollen in dieser Einrichtung einnehmen, um gemäß den Statuten des Weltverbandes die Kontrolle über jede Tochtergesellschaft zu behalten. Ähnliche Pläne hatte Infantino bereits im Jahr 2018 verfolgt, als er für die Klub-WM und eine weltweite Nations League einen Milliarden-Deal unter Beteiligung saudi-arabischer Investoren anstrebte, der jedoch nicht zustande kam.

Infantino und Trump beim WM-Finale in den USA: Personen aus dem Umfeld der Regierung sollen zu dem Vorhaben konsultiert worden sein
Infantino und Trump beim WM-Finale in den USA: Personen aus dem Umfeld der Regierung sollen zu dem Vorhaben konsultiert worden seinFoto:Andrew Harnik / Getty Images Credit: spiegel.de

Die UEFA, als mächtiger Gegenspieler, steht vor der Herausforderung, wie weit sie gehen würde, um die Pläne der FIFA zu stoppen. Die 55 Mitgliedsverbände der UEFA würden auf eine harte Probe gestellt, da ein Boykott der Weltmeisterschaft bedeuten könnte, aus der FIFA auszutreten. Für den WM-Titel erhielt Spanien 50 Millionen Dollar von der FIFA. Ohne die Teilnahme großer europäischer Fußballnationen wie Spanien, Frankreich, England, Portugal, die Niederlande und Deutschland, wäre die WM deutlich weniger wert. Die Entscheidungsträger werden in Kürze einen Vorschlag erhalten.

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Source: web.de

Julia Neumann ist Sportredakteurin und berichtet über Fußball, Sport und aktuelle Ereignisse.