Aachen: Deutsche Springreiter verpassen Einzelmedaillen bei der Reit-WM

Enttäuschung im Einzelwettbewerb nach Mannschaftsgold
Die deutschen Springreiter haben bei der Reit-WM 2026 in Aachen keine Einzelmedaillen gewonnen. Nach dem Gewinn der Mannschaftsgoldmedaille am Freitag endete der Finaltag für das deutsche Team enttäuschend. Daniel Deußer, Sophie Hinners und Marcus Ehning hatten nach den ersten drei Qualifikationstagen noch gute Medaillenchancen, konnten diese jedoch im entscheidenden Moment nicht nutzen.
Im ersten Umlauf des Finales unterliefen allen drei deutschen Reitern Fehler, indem jeweils eine Stange fiel. Bei Marcus Ehning verlor sein Pferd Coolio sogar ein Eisen. Diese Patzer beeinträchtigten die Ausgangslage für die zweite Runde, in der die deutschen Teilnehmer auf Fehler der Konkurrenz hoffen mussten.
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Daniel Deußer, der als Sechster bester deutscher Reiter wurde, äußerte sich enttäuscht. Er war gleichauf mit dem späteren Sieger Steve Guerdat in die letzte Prüfung gestartet, verspielte aber seine Podiumsplatzierung am letzten Hindernis des letzten Umlaufs. Eine Stange fiel, wodurch er mit seinem Hengst Otello auf den sechsten Platz zurückfiel. Trotz der individuellen Enttäuschung hob Deußer das positive Fazit der Woche hervor, das durch die Mannschaftsgoldmedaille geprägt war.
Guerrdat gewinnt Einzel-Gold
Der Schweizer Springreiter Steve Guerdat sicherte sich die Goldmedaille im Einzelwettbewerb. Vor 40.000 Zuschauern im Aachener Reitstadion zeigte Guerdat mit seiner Stute Dynamix eine fehlerfreie Leistung über die gesamte WM-Woche hinweg. Er war der einzige von 145 Startern, dem kein Abwurf unterlief. Guerdat, der bereits 2012 in London Olympiasieger wurde und vor drei Jahren das EM-Klassement anführte, komplettierte mit diesem Sieg seine Sammlung aller Einzeltitel in seinem Sport. Dieses „Triple“ haben bisher nur wenige erreicht, darunter Hans Günter Winkler, der 1955 in Aachen Weltmeister wurde.


Guerdat ritt als letzter Teilnehmer in den finalen Parcours und wusste um seine goldene Chance. Die Konkurrenz vor ihm, darunter der zweitplatzierte Belgier Thibeau Spits mit dem Hengst Impress und der Bronze-Gewinner Harry Charles mit Freda aus Großbritannien, hatte bereits Fehler gemacht. Guerdat hätte sich sogar vier Strafpunkte leisten können, blieb aber fehlerfrei. Er beschrieb seine Stute Dynamix als sehr clever und motivierend.
Das Aachener Publikum, die Konkurrenten und der deutsche Bundestrainer Otto Becker gönnten dem 44 Jahre alten Schweizer diesen Triumph. Becker lobte Guerdat als einen „ganz feinen Pferdemann“, der über viele Jahre hinweg mit verschiedenen Pferden seine Klasse bewiesen habe. Er betonte, dass ein solcher Weltmeister dem Sport guttue.
Deutsche Platzierungen und Bundestrainer-Fazit
Neben Daniel Deußer auf Platz sechs erreichten weitere deutsche Reiter Top-Platzierungen. Marcus Ehning belegte den siebten Platz, während Sophie Hinners mit Singclair auf Rang neun landete. Richard Vogel, der am Abschlusstag eine Verweigerung mit seinem Hengst United Touch erlebte, landete auf Platz 22.


Bundestrainer Otto Becker äußerte sich ebenfalls „ein bisschen enttäuscht“ über das Ergebnis im Einzelwettbewerb. Er vermutete, dass nach der hervorragenden Leistung im Teamspringen am Freitag möglicherweise das Quäntchen Glück gefehlt habe. Trotzdem hob Becker hervor, dass das Team am Ende drei Paare in den Top 10 hatte, was er als stark bewertete.
Guerdat, der gebürtig aus dem Jura stammt und mit seiner Frau einen Turnierstall im Kanton Zürich betreibt, setzt seine Pferde dosiert ein und verzichtet auf hohe Preisgelder anderer Turniere, um vor Kulissen wie in Aachen zu starten. Er betonte die Bedeutung solcher Orte für den Sport und die Freude, diese Momente mit dem Publikum zu teilen. Der Sieg in Aachen markiert für Steve Guerdat den Beginn eines neuen Lebensabschnitts.


Source: faz.net